Führung in Hochbelastungsorganisationen
Wenn Personalmangel, hohe Veränderungsdichte, emotionale Belastungen, Konflikte und knappe Ressourcen dauerhaft zusammenkommen, verändert sich auch die Aufgabe von Führung. Entscheidungen müssen unter Unsicherheit getroffen, Teams stabilisiert und Qualität, Sicherheit oder Versorgung trotz erschwerter Rahmenbedingungen gewährleistet werden.
Der berufsbegleitende Zertifikatslehrgang „Führung in Hochbelastungsorganisationen“ unterstützt Führungskräfte dabei, solche Belastungsdynamiken systematisch zu erkennen, Zusammenhänge besser zu verstehen und geeignete Führungs- und Organisationsroutinen für den beruflichen Alltag zu entwickeln.
Zertifikatslehrgang | 240 Unterrichtseinheiten | berufsbegleitend | Richtwert sechs Monate | mit betrieblichem Transferprojekt
Unverbindlich informieren lassen
Führung, wenn Normalbedingungen fehlen
Hochbelastung zeigt sich nicht nur an einzelnen erschöpften Mitarbeitenden. Sie entsteht häufig im Zusammenspiel mehrerer Faktoren:
- anhaltender Personal- und Fachkräftemangel
- hohe Krankenstände und eingeschränkte Vertretungsmöglichkeiten
- Zeitdruck, Arbeitsverdichtung und steigende Dokumentationsanforderungen
- häufige Veränderungen und widersprüchliche Erwartungen
- Informationsverluste an Schnittstellen
- Konflikte, Rückzug oder Lagerbildung in Teams
- unsichere Verantwortlichkeiten und Entscheidungswege
- emotionale Belastungen in personenbezogenen Dienstleistungen
- Gefährdungen von Qualität, Sicherheit, Teilhabe oder Versorgung
Der Lehrgang betrachtet deshalb nicht ausschließlich das Verhalten einzelner Personen. In den Blick genommen wird das gesamte Arbeitssystem mit seinen Aufgaben, Teams, Führungsstrukturen, technischen Bedingungen, organisatorischen Abläufen und äußeren Anforderungen.
Was Sie im Lehrgang lernen
Die Teilnehmenden lernen,
- Belastungen, Risiken und vorhandene Ressourcen differenziert zu erkennen
- Ursachen und Wechselwirkungen auf mehreren Ebenen zu analysieren
- unter Unsicherheit Prioritäten zu setzen und Orientierung herzustellen
- Kommunikation, Übergaben und Entscheidungen verlässlicher zu strukturieren
- psychologische Sicherheit mit klarer und fairer Verantwortung zu verbinden
- vorhandene Kompetenzen und Erfahrungen im Team besser zu nutzen
- Konflikte, Rückzug und festgefahrene Teamdynamiken systematisch zu bearbeiten
- gesundheitsorientierte Führung und Arbeitsgestaltung zusammenzudenken
- die eigene Führungsrolle und persönliche Belastung zu reflektieren
- neue Führungsroutinen im eigenen Arbeitsbereich zu erproben und nachhaltig zu verankern
Das Ikarus-Modell
Das Ikarus-Modell gliedert den Führungs- und Entwicklungsprozess in sechs miteinander verbundene Wirkfelder:
Erkennen
Belastungen, Abweichungen, Risiken und vorhandene Ressourcen sichtbar machen.
Verstehen
Ursachen, Wechselwirkungen und alternative Erklärungen untersuchen, bevor vorschnelle Lösungen oder Schuldzuweisungen entstehen.
Stabilisieren
Orientierung, Sicherheit, Prioritäten und kurzfristige Handlungsfähigkeit herstellen.
Aktivieren
Vorhandene Expertise, Beteiligung, Verantwortung und Selbstwirksamkeit im Team nutzbar machen.
Entwickeln
Kommunikation, Zusammenarbeit, Konfliktfähigkeit und organisationale Lernprozesse weiterentwickeln.
Verstetigen
Erprobte Routinen überprüfen, anpassen und dauerhaft in Führungs- und Qualitätsstrukturen verankern.
Die Wirkfelder sind keine starre Schrittfolge. Je nach Ausgangslage können einzelne Bereiche parallel bearbeitet oder erneut aufgegriffen werden.
Inhalte der Fortbildung
Der Zertifikatslehrgang umfasst zehn Fachmodule:
- Erschöpfung von Teams und Organisationen erkennen
- Das Ikarus-Modell und ein systemisches Führungsverständnis
- Stress, psychische Belastung und emotionale Erschöpfung
- Führung unter Unsicherheit, Personalmangel und Veränderungsdruck
- Psychologische Sicherheit und faire Verantwortungszuordnung
- Kommunikation in Hochbelastungsteams
- Team Resource Management und multiprofessionelle Zusammenarbeit
- Konflikte, Rückzug und Lagerbildung
- Gesundheitsorientierte Führung, Fehlzeiten und Arbeitsfähigkeit
- Selbstführung der Führungskraft und persönliche Stabilität
Im Mittelpunkt stehen nicht nur theoretische Grundlagen. Die Teilnehmenden arbeiten mit konkreten Fallbeispielen, Simulationen, Reflexionsformaten und anwendungsbezogenen Instrumenten wie Belastungsradar, Ressourcenkarte, Priorisierungsmatrix, Führungsboard, Teamvorbereitung, Lernrunde, Kompetenzkarte und Führungsentwicklungsplan.
Für wen ist der Lehrgang geeignet?
Die Fortbildung richtet sich insbesondere an:
- Einrichtungs- und Geschäftsleitungen
- Bereichs- und Teamleitungen
- Pflege- und Wohnbereichsleitungen
- Leitungen von Sozialdiensten
- Projektleitungen und Koordinationsverantwortliche
- Qualitätsmanagementbeauftragte
- Personal- und Organisationsentwickler
- Nachwuchsführungskräfte mit absehbarer Leitungsverantwortung
Angesprochen sind Führungskräfte und Schlüsselpersonen aus Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, sozialen Diensten, Einrichtungen der Rehabilitation und Teilhabe, Bildungseinrichtungen sowie weiteren personenbezogenen Dienstleistungsorganisationen.
Berufsbegleitend und konsequent transferorientiert
Der Lehrgang umfasst insgesamt 240 Unterrichtseinheiten beziehungsweise 180 Zeitstunden. Als Richtwert ist eine berufsbegleitende Durchführung über sechs Monate vorgesehen.
Der Gesamtumfang gliedert sich in:
- 180 Unterrichtseinheiten in zehn Fachmodulen
- 20 Unterrichtseinheiten für ein betriebliches Transferprojekt
- 20 Unterrichtseinheiten in einer kollegialen Transferwerkstatt
- 20 Unterrichtseinheiten für Abschlussarbeit und Kolloquium
Im betrieblichen Transferprojekt bearbeiten die Teilnehmenden eine konkrete und abgegrenzte Führungs- oder Organisationsaufgabe aus ihrem eigenen Arbeitsumfeld. Dadurch wird das Gelernte nicht nur besprochen, sondern unter realen Bedingungen erprobt, dokumentiert und kritisch ausgewertet.
Der Lehrgang schließt mit einer schriftlichen Transferarbeit und einem fachlichen Kolloquium ab.
Wissenschaftlich informiert und unmittelbar auf die Praxis ausgerichtet
Die Fortbildung verbindet Erkenntnisse aus Human Factors und Ergonomie, Team Resource Management, High-Reliability-Forschung, Resilience Engineering, Arbeits- und Organisationspsychologie, psychologischer Sicherheit, gesundheitsorientierter Führung und Organisationsentwicklung.
Das Ikarus-Modell ist ein wissenschaftlich informierter und theoriegeleiteter Praxis- und Transferrahmen. Es verbindet etablierte wissenschaftliche Ansätze und überträgt sie auf die besonderen Anforderungen von Sozial-, Gesundheits- und Bildungsorganisationen. Der Rahmen wird fachlich weiterentwickelt und schrittweise evaluiert.
Die fachliche und wissenschaftliche Weiterentwicklung des Lehrgangs wird durch den Wissenschaftlichen Fachbeirat der Ikarus Akademie begleitet.
Für einzelne Führungskräfte und für Organisationen
Der Zertifikatslehrgang eignet sich für einzelne Führungskräfte ebenso wie für Organisationen, die mehrere Leitungskräfte gezielt weiterentwickeln möchten.
Darüber hinaus entwickelt die Ikarus Akademie auf Grundlage der konkreten Ausgangslage auch organisationsbezogene Fortbildungen, Seminare und Inhouse-Formate. Inhalte und Schwerpunkte können dabei an die Belastungssituation, die Führungsstruktur und die Entwicklungsziele der jeweiligen Organisation angepasst werden.
Gerne besprechen wir mit Ihnen, welches Format für Ihre Organisation sinnvoll ist.
Interesse an der Fortbildung?
Der Zertifikatslehrgang befindet sich in der abschließenden Vorbereitung. Gerne informieren wir Sie persönlich über den geplanten Start, die Durchführung, Teilnahmebedingungen und Möglichkeiten für Ihre Organisation.
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Ikarus Akademie
Akademie für Training und Consulting im Gesundheits- und Sozialwesen
Römerstraße 133
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